18. Feb 21: Der Countdown läuft - noch 80 Tage bis zum World Cup in Albstadt

Die Cyclocross-WM wird deutlich von "oranje" dominiert. Außerdem äußern sich Mathieu van der Poel und Elisabeth Brandau zur anstehenden Saison, die Erwartungen an den Weltcup in der Bikezone Albstadt und ihre Ziele für 2021!

Die achte Auflage des Mercedes-Benz UCI Mountain Bike World Cups im Albstädter Bullentäle wirft seinen Schatten voraus. Rund drei Monate vor dem ersten Rennen der Weltserie befinden sich die besten MTB-Athletinnen und -Athleten in der wichtigsten Phase der Vorbereitung auf die anstehende Rennsaison. Die Vorbereitungen sind individuell, viele Profis setzen mittlerweile auch auf Trainingsreize durch andere Sportarten und Radsportdisziplinen.

Es lohnt sich daher einen Blick auf die Cyclocross-WM zu werfen, die Ende Januar dieses Jahres in der belgischen Küstenstadt Ostende stattfand. Viele der MTB-Profis steigen im Winter immer wieder auf die spektakuläre Radsportdisziplin um. Die Hatz auf Rennrad-ähnlichen Bikes mit Geländebereifung hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur innerhalb der Radsport-Szene, sondern auch weit darüber hinaus zu einem echten Magneten für Zuschauerinnen und Zuschauer entwickelt. Die Rennstrecken sind dabei gespickt mit vielen speziellen Herausforderungen wie etwa Hürden, Treppen und Sandfeldern, die nicht selten zu Fuß überwunden werden müssen. Bestes Beispiel dafür sind die Cyclocross-Rennen in Albstadt der vergangenen Jahre, die stets viele Top-Fahrerinnen und -fahrer sowie Zuschauende auf die Schwäbische Alb lockten.

Welche Rückschlüsse lassen sich aus den Wettkämpfen an der belgischen Nordseeküste im Hinblick auf die Mountainbike Saison ziehen?

Mit den dort erlangten Erfolgen, fährt man gestärkt in die MTB-Saison. Die dominierende Nation trug „oranje“! Unter den besonderen Herausforderungen der weltweiten Pandemiesituation feierte die niederländische Nation ein Rennwochenende der Superlative. Bei allen vier Wettkämpfen (Elite Damen/Herren, U23 Damen/Herren) triumphierte eine Fahrerin bzw. ein Fahrer aus dem Team Oranje und demonstrierten eindrucksvoll ihre Stärke im Cyclocross! Bei den Damen räumte die radsportverrückte Nation sogar den kompletten Medaillensatz ab!

Aus deutscher Sicht konnte sich die amtierende Cross-Country-Meisterin Elisabeth Brandau als Neuntplatzierte stark in Szene setzen.

 

Niederländischer Dreifacherfolg bei den Damen

Lucinda Brand setzte sich in einem packenden Dreikampf gegen ihre Landsfrauen Annemarie Worst und Denise Betsema durch. Erst auf den letzten Metern des Rennens kam es an der belgischen Küste zur Entscheidung: Eine Tempoverschärfung der späteren Silbermedaillengewinnerin Worst sorgte zunächst dafür, dass Denise Betsema den Anschluss verlor. Lucinda Brand blieb am Hinterrad ihrer Landsfrau und konterte wenig später: In einer engen Kurve wählte Brand die Innenlinie, während Worst sich von außen annäherte. Es kam zur Kollision, die Worst zu Boden zwang und somit die Rennentscheidung zugunsten Brands herbeiführte.

Die Titelverteidigerin und Drittplatzierte der vergangenen U23-Weltmeisterschaften in der Cross-Country-Disziplin, Ceylin Alvarado, stürzte bereits wenige Meter nach dem Start und fiel dadurch frühzeitig zurück. Auf einem für sie enttäuschenden sechsten Rang beendete die Favoritin letztlich das Rennen knapp vor der Britin Evie Richards, die im vergangenen Jahr in den Short Track-Rennen des Mountainbike-Weltcups mit zwei Siegen äußerst erfolgreich unterwegs war.

 

Superstar der Szene ist der Niederländer Mathieu van der Poel.

Im Feld der Herren kam es zum Duell der aktuellen Giganten der Radsport-Welt: Der Niederländer Mathieu van der Poel und der Belgier Wout van Aert wuchsen beide in der Cyclocross-Disziplin auf und haben sich insbesondere im Straßenbereich zu den stärksten Fahrern weltweit entwickelt.

Van der Poel gelingt es zudem, diesen Spagat auf die Mountainbike-Disziplin auszuweiten und gilt nach seinen Weltcuperfolgen im Jahr 2019 als einer der großen Favoriten auf Olympia-Gold in Tokio.

Die beiden Topstars der Szene setzten sich in Ostende frühzeitig mit großem Vorsprung von allen anderen Kontrahenten ab und duellierten sich um den Weltmeistertitel: Nachdem van der Poel durch einen Sturz zunächst etwas ins Hintertreffen geriet, sorgte ein Plattfuß bei van Aert wenige Augenblicke später für eine Rennentscheidung zugunsten des Niederländers.

Der 26-Jährige sicherte sich schließlich vor van Aert seinen insgesamt vierten Weltmeistertitel im Cyclocross und arbeitet damit weiter an seinem Legendenstatus.

Van der Poel gilt ohne Zweifel auch für die anstehenden Weltcup-Rennen auf dem Mountainbike als einer der großen Favoriten. Der Niederländer muss jedoch dabei die Herausforderung meistern, die verschiedenen Interessen von Sponsoren, Fans und seinen eigenen Ambitionen unter einen Hut zu bringen. Auf der einen Seite ist das öffentliche Interesse im Rennradmetier wesentlich höher als im Gelände, auf der anderen Seite schlägt das Herz von van der Poel auch für das Mountainbiken. Insbesondere die Olympischen Spiele und die Möglichkeit olympisches MTB-Gold zu gewinnen stehen auf seiner Prioritätenliste sehr weit oben, wie er mehrfach in Interviews betont hat. Das wiederum stellt eine besondere Konfliktsituation dar, da sein Team Alpecin-Fenix in diesem Jahr erstmalig ein Startrecht bei der Tour de France besitzt, die olympischen MTB-Wettkämpfe in Tokio aber bereits neun Tage nach dem größten Radsportereignis der Welt geplant sind.

Zum aktuellen Zeitpunkt möchte van der Poel in jedem Fall die Möglichkeit nutzen, bei den Spielen dabei zu sein. „Die Chance, bei den Olympischen Spielen zu starten, ist wichtiger für mich als die Tour. Ich werde mein Training passend zu Olympia auf das Mountainbike konzentrieren und mich dementsprechend auf dem Mountainbike auf die Tour de France vorbereiten“, so van der Poel vor wenigen Tagen bei einer Pressekonferenz. Offenbar ist sogar ein geplanter Ausstieg des Allroundtalents während der Tour de France im Gespräch, sodass sich der Niederländer bestmöglich auf Olympia vorbereiten kann. Ungeachtet dessen wird van der Poel aufgrund seines straffen Terminkalenders nur wenige Mountainbike-Weltcups bestreiten. Ob er auch im Albstädter Bullentäle dabei sein wird, wo er vor zwei Jahren den Short Track gewinnen konnte und im Cross-Country-Rennen den zweiten Platz belegte, ist noch nicht ganz sicher. Die Chancen, dass der Enkel des legendären Rennfahrers Raymond Poulidor auf der Schwäbischen Alb mit von der Partie sein wird, stehen jedoch gut. Sein Team ließ verlauten, dass van der Poel aktuell einen Start in Albstadt plant, der Rennkalender sich aber aufgrund der Corona-Pandemie auch schnell ändern könne.

Im Schatten der beiden großen Rivalen des Cyclocross-Sports, van der Poel und van Aert, wächst mit dem Briten Tom Pidcock unterdessen ein weiteres Talent heran, das in den kommenden Jahren in den verschiedenen Radsportdisziplinen für Furore sorgen könnte. Bereits im Vorjahr konnte sich der erst 21 Jahre alte Brite die Silbermedaille in der Eliteklasse der Herren im Cyclocross sichern. Zudem ist er der amtierende Weltmeister in der U23-Klasse auf dem Mountainbike und in der noch jungen E-MTB-Disziplin. Kein Wunder also, dass sich das Straßenteam Ineos Grenadiers, früher unter dem Namen Sky bekannt, die Dienste von Pidcock gesichert hat. Nachdem Pidcock in der Cyclocross-Saison bereits den scheinbar übermächtigen Mathieu van der Poel bezwingen konnte, erwischte er bei den Weltmeisterschaften nicht seinen besten Tag und landete auf dem undankbaren vierten Rang. Ob und inwiefern der Brite in Zukunft überhaupt noch auf dem Mountainbike zum Einsatz kommen wird, ist unklar. Eines steht jedoch fest: Wenn dies der Fall sein sollte, müssen sich die Großen der Szene um Nino Schurter und Co. auf einiges gefasst machen.

 

Elisabeth Brandau überrascht als Neuntplatzierte

Im Zuge der Covid-19-Pandemie und den dadurch ausgefallenen Rennen auf deutschem Boden waren mit der amtierenden Cross-Country-Meisterin Elisabeth Brandau und dem ehemaligen deutschen Marathon-Meister, Sascha Weber, lediglich zwei deutsche Athleten in Ostende am Start. Während Weber im hochkarätig besetzten Feld der Herren als 34. nicht ganz in der internationalen Spitze mitmischen konnte, gelang dies Brandau als Neuntplatzierte bei den Damen in besonderer Weise. Aus den hinteren Startreihen kämpfte sich die Schönaicherin, die auch im Hinblick auf die kommenden Olympischen Spiele und die anstehende Weltcupsaison auf dem Mountainbike als größte deutsche Hoffnung gilt, mit einer gelungenen Krafteinteilung stetig nach vorne. Auch zwei Stürze im Feld, die sie zunächst zurückwarfen, hielten Brandau nicht davon ab, an ihrem Rennplan festzuhalten: „Die zwei Stürze vor mir waren ein großes Handicap für mich, es blieb mir nichts Anderes übrig, als Stück für Stück aufzuholen. Ich habe jede Runde meine Abläufe im Rennen beibehalten und gemerkt, dass das ganz gut funktioniert. Ich hatte sehr viel Spaß und bin zufrieden mit meinem Rennen“, so Brandau im Rückblick. Bereits 2018 landete die 35-Jährige bei den Cyclocross-Weltmeisterschaften ohne expliziten Fokus auf diese Disziplin überraschend auf dem fünften Rang und fuhr infolgedessen auch eine erfolgreiche Mountainbike-Saison. Ein gutes Omen also für die anstehenden Wettkämpfe im Sommer?

Den Fokus richtete Brandau bereits unmittelbar nach der Cyclocross-WM wieder auf ihre großen Ziele im Mountainbike-Bereich: Die Olympischen Spiele in Tokio und die Weltcuprennen – unter anderem im Albstädter Bullentäle. „Ich werde, soweit es die Pandemie-Situation zulässt, bald schon mit einigen Vorbereitungsrennen in die Saison einsteigen und mich dann mit einem Trainingslager vor dem Bundesligarennen in Heubach (24.04.2021) auf die Weltcupsaison vorbereiten“, so Brandau über ihre Pläne für die unmittelbare Saisonvorbereitung.

Dabei hofft die Schönaicherin vor allem, dass die Wettkämpfe wie geplant durchgeführt werden können und die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden werden. „Die Cyclocross-Saison hat gezeigt, dass die Durchführung der Wettkämpfe mit Corona-Tests und einem vernünftigen Hygienekonzept machbar sind und ich hoffe, dass die zuständigen Verbände dies anerkennen und uns in Bezug auf Olympia Planungssicherheit geben“. Die zweifache Mutter weiß sehr wohl zu schätzen wie privilegiert die Sportwelt in diesen Zeiten ist. So erlebe sie hautnah, welche Herausforderungen die Corona-Pandemie mit sich bringt: „Ich fange an, mich teilweise sogar zu schämen. Die Kinder und alle anderen, die psychisch sehr stark unter der Situation leiden, stehen alle unfassbar schlecht da. Ich wünsche mir so sehr ein gewisses Maß an Normalität zurück, sodass wir endlich wieder in Gruppen unserem Sport nachgehen können.“

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